short story • Von sechs Richtigen und einer ganzen Menge Dankbarkeit.


Jetzt im Lotto gewinnen, was würdest du dann tun? Fragt sie, streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ich schließe kurz die Augen.

Jetzt sechs Richtige ankreuzen, den einen Schein haben. Ja, ich weiß genau, was ich dann tun würde. 

Die Freunde anrufen, die schon längst warten, und ihnen sagen - es dauert keinen Tag länger, lasst uns jetzt den Motorradführerschein machen, wer muss dann noch jahrelang sparen? Dann ist die Freiheit zum Greifen nah, Touren quer durch die Berge und schlussendlich am Meer ankommen, in Leder und Metall am Strand stehen und endlich, wirklich frei sein.

Eine Liste aus all den Orten machen, die seit Jahren im Kopf herumspuken und einfach mal den ersten Flug buchen, wen interessiert schon unbezahlter Urlaub, wenn man so viel sehen kann? Sri Lanka. New York City. Island. Singapur. Einmal die US-Ostküste runter. Mit dem Motorrad quer durch Frankreich. Warum, frage ich sie, warum denn nicht?

Die Karten für das nächste Konzert kaufen, music is life, vielleicht Twenty One Pilots oder Panic! At the Disco. Zusammen mit tausenden anderen singen - das war schon immer fantastisch.

Und dann dämmert mir etwas. Eine ganz simple Erkenntnis.

Was, wenn ich die sechs Richtigen schon längst habe? Vielleicht nicht im Lotto, aber im Leben.

 Na und, dann warten wir doch noch bis nächstes Jahr mit dem Führerschein und heizen solange mit der Motocross über verlassene Feldwege, auf denen wir die Einzigen inmitten von all der Natur sind. Wir. Zusammen.

Vielleicht muss New York oder Island noch ein bisschen warten, aber Malta und Paris und die Berge reichen doch auch erst mal, unvergessliche Momente mit Menschen, die man liebt, und im Hintergrund das Meer. Und selbst wenn wir nur bis ins Kino kommen statt ans Meer oder an den Chiemsee, das Gelächter bleibt das gleiche, und das Gefühl, dass uns nichts auseinanderbringen kann, auch.

Vielleicht kommen wir nie auf all die Konzerte, aber wir haben Festivaltickets und Campingstühle und ein Zelt und deswegen tragen wir die Bänder auch noch Monate später, weil vier Tage Wahnsinn auf dem Festival einfach noch viel besser ist. Und wenn wir nicht gerade mitsingen, mitjubeln, dann singen wir unsere eigenen Lieder, schreiben unsere eigene Geschichte weiter, und das zusammen.

Und ist es nicht das, was zählt? Die Menschen, die man liebt. Die Lieder, die man selber singt. Die Momente, die man am liebsten in Marmeladengläsern fangen möchte, und dann tut man es doch nicht, weil sie es nicht verdient haben, weggesperrt zu werden.

Die richtigen Momente sind wichtig. Nicht die richtigen Zahlen. Sage ich zu ihr und sie nickt zufrieden, als hätte sie nichts anderes erwartet.


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Marianne | , | write a comment | Share · ·

Munich Hackerbrücke Night Shooting

Meine Lieben,

endlich sind die Prüfungen vorbei und endlich habe ich Semesterferien! Na ja, nicht ganz - eine kurze Seminararbeit schreibe ich noch und im Oktober folgt eine allerletzte Klausur. Aber was soll's - ich muss nicht mehr neun Stunden am Tag lernen und kann mich wieder ganz gemütlich an den Laptop setzen und die ganzen unverwirklichten Ideen der letzten Wochen endlich verbloggen. 

Meint man. Oder? Na ja, nicht ganz. Schon morgen startet für mich der Flieger nach Malta - endlich Urlaub! Und kaum komme ich wieder nach Hause, geht's auch schon nach Paris und anschließend zum Chiemsee Summer Festival. Im September verbringe ich dann noch ein Wochenende mit Freunden in den Bergen - ihr seht, auch in den nächsten Wochen wird es turbulent. Dennoch versuche ich, jede freie Minute zum Bloggen zu nutzen, schließlich habe ich euch soo viel zu erzählen!

Und gerade dieser Post soll auch ein Beispiel dafür sein, dass Spontanaktionen manchmal die besten Ergebnisse liefern - heute gibt's nämlich wieder mal eine Fotoreihe

Vor ein paar Wochen war ich nämlich gerade auf dem Rückweg von meiner monatlichen Schreibwerkstatt in Pasing - mein Zug geht leider nur stündlich vom Hauptbahnhof aus und ich verpasse ihn jedes Mal um genau fünf Minuten. Also hatte ich eine ganze Stunde Zeit, um neun Uhr abends irgendwas zu machen. Und da ich sowieso meine Kamera dabeihatte und außerdem gerade in der S-Bahn saß, bin ich kurzerhand an der Hackerbrücke aus der Bahn gesprungen und habe spontan Fotos vom Hauptbahnhof und den umliegenden Gleisen geschossen. Mal was ganz anderes als sonst - bitte sehr!








Ich muss zugeben, auf das letzte Foto bin ich besonders stolz - einen Blitz habe ich noch nie so gut fotografiert. Und wenn man bedenkt, dass das Foto aus der Hand und ohne fancy Belichtungsmodi entstanden ist, dann hatte ich wahnsinniges Glück. 

Weniger Glück hatte ich beim Wetter (deswegen auch der Blitz): genau, als wir die Schreibwerkstatt verlassen hatten, ging ein heftiger Wolkenbruch genau über uns nieder - ich war bis auf die Knochen durchnässt. Und die nächsten drei Tage krank. Das ist mal wieder typisch ich...

Wie auch immer - wie findet ihr die Bilder? Sollte ich in Zukunft öfter mal Bilder aus München posten oder lieber wieder mehr Porträtshootings? Stay tuned - wer meine Maltareise verfolgen will, auf Instagram werde ich die nächsten Tage sehr aktiv sein, wann auch immer ich einen WLAN-Hotspot finde. 
Marianne | | one comment | Share · ·

I'm A Fan Pt. II • fanfictions

Meine Lieben,

Ihr kennt mich ja. Mich und meine Fandoms. Für alle, die das nicht tun, hier noch einmal die Vorgeschichte und meine kleine Erklärung zu allem, was mit Fandom zu tun hat.

Heute soll's um Fanfictions gehen. Ganz vorneweg: Das Image von Fanfictions ist schlecht. Geradezu unterirdisch schlecht. Woran das liegt? An dreizehnjährigen Mädchen mit voll freshen Autorenskills, die ihre vor Rechtschreibfehlern strotzenden One-Direction-Stories mit uns teilen müssen, in denen grundsätzlich immer sie selbst die Hauptrolle spielen und im Sturm von einem der Bandmitgliedern erobert werden. An der Annahme, dass Fanfictions grundsätzlich nur über Boybands und Animes geschrieben werden und außerdem nur deswegen kostenlos verfügbar sind, weil die Autoren nicht fähig sind, ein echtes Buch zu schreiben. Und nicht zuletzt an Leuten, die mit ihren grottigen Fanfictions auch noch berümt werden - ich habe keine Ahnung, wie es kommt, dass die prominentesten Beispiele für Fanfictions derart schlecht geschrieben sind. Ja, da braucht ihr gar nicht so empört zu schauen. Ich habe die ganze, ich wiederhole, die GANZE After Passion-Reihe von Anna Todd gelesen. Ich habe immerhin den ersten Band und den Film von Fifty Shades of Grey ausgehalten. Und wie die meisten Menschen, die viel und gerne Hochwertiges lesen, bin ich entsetzt von solchen Büchern - das hat rein gar nichts mit Fanfictions zu tun, sondern einzig und allein mit dem schlechten Schreibstil der Autorinnen. 
Und die Fanfictionszene, die ich kenne, ist eine andere. Ich lese hauptsächlich Fanfictions zu den Marvel-Filmen und zu Harry Potter. Kennt man als zwei der bekanntesten Fandoms, mit hunderttausenden von Fanfictions im Netz. Da stellt sich dem Neuling doch sofort als Erstes die Frage: Warum Fanfictions schreiben? Hat der Autor keine Ideen für eine eigenen Story? Man muss gar nicht so viele Fanfictions lesen, um die drei häufigsten Gründe für Fanfic zu kennen. Erstens: Der Plot lässt erzählerische Lücken, die man für die grundlegende Story eigentlich nicht braucht - das Leben von Nebencharakteren zum Beispiel. Und die gibt es in jedem Film, jedem Roman, jeder Serie. Wie sind zum Beispiel die Weasley-Zwillinge auf die Idee gekommen, Scherzartikel zu erfinden? Dann gibt es den Fanfiction-Autor, der gerne eine Alternative zum Plot des Originals ausprobieren möchte. Hätte Hermine nicht besser zu Harry gepasst? Oder gar zu Draco Malfoy? Und schlussendlich ist natürlich eine Fortsetzung des Lieblingswerks nie verkehrt. Wie geht es zum Beispiel Harrys Kindern in Hogwarts?



Aber lasst uns jetzt vom Schreiben zum Lesen kommen - als Erstes muss man natürlich Fanfictions zum Lesen finden. Die beiden größten internationalen Portale sind Fanfiction.net und AO3, dort findet man Millionen von verschiedenen Stories. Beide Portale haben ihre Vorteile: FF.net bietet eine offizielle App, mit der ihr Fanfics auch auf dem Smartphone lesen könnt, bei AO3 könnt ihr dagegen die Geschichten in verschiedenen Formaten herunterladen und so zum Beispiel auf dem Kindle lesen. Sortiert werden die Stories immer gleich: nach Kategorie wie Film, Buch, Serie oder Game, nach dem Originalwerk, auf dem sie basieren, nach den Protagonisten der Fanfiction und nach dem PG-Rating - hier gibt es die Stufen K, K+, T und M, wobei M für 18+ steht. Merkt euch das gut, vor allem das Rating, das könnte wichtig werden. ;)



Um Fanfictions zu lesen, sollte man ein paar grundlegende Regeln kennen. Ansonsten könnte es sein, dass das Universum der Fanfictions zu Anfang ein bisschen verstörend sein. Aber mit diesen fünf Punkten seid ihr vorgewarnt:

1. Lest Fanfictions auf Englisch. Warum? Das ist ganz einfach. Der Prozentsatz an schlechten Fanfics ist immer und überall ungefähr gleich. Da aber die Menge an englischen Fanfictions riesig ist, habt ihr hier auch die größere Chance, schnell eine gute zu eurem gewünschten Thema oder Pairing zu finden. Und auch wenn ihr eigentlich keine englischen Bücher lest - es gibt auch Fanfictions mit einfachem Vokabular und nach vier Wochen merkt ihr den Unterschied schon gar nicht mehr. Versprochen!
2. Fanfiction-Autoren haben die verrücktesten Ideen, was die Themen ihrer Geschichten angeht. Also, klar gibt es Sachen wie die Liebesgeschichte zwischen Hermine Granger und Draco Malfoy, die man in 10000 Varianten findet, weil sie einfach viel Stoff bietet und alle sie gerne lesen. Und dann gibt es Stories, in denen sich Loki in einen Stein verliebt. Oder erotische Fanfictions, deren Hauptrolle der Sprechende Hut spielt. Ihr seht, was ich meine?
3. Zu meinem nächsten Hinweis gibt es sogar eine Internetregel - und zwar die Rule #34: "If it exists, there is porn on it." Und die gilt bei Fanfictions ganz besonders. Vermutlich drei Viertel aller Fanfictions enthalten sexuelle Inhalte, vor allem, wenn das Originalwerk keine hat (Harry Potter zum Beispiel). Und die sind oft alles andere als romantisiert. Wenn ihr keine Lust auf erotische Szenen oder komplett erotische Stories hat: Rating beachten und alles, was ein M enthält, lieber links liegen lassen.
4. Ganz viele Fanfic-Autoren schreiben einfach drauflos und haben weder jemand, der Korrektur liest, noch sind sie selbst Rechtschreibgenies. Ergo: da draußen existieren unglaublich viele Fanfictions, bei denen mein innerer Monk schon nach 30 Zeilen aufhört zu lesen und weinen will, weil die Story - die vielleicht ganz gut sein könnte - gespickt mit Fehlern ist. Sehr gefährlich. Und leider ein Problem, dem man nicht mit der erweiterten Suche aus dem Weg gehen kann. Aber wenn die Fanfic wirklich toll sein sollte: kontaktiert doch den Autor und fragt ihn, ob er einen Beta-Leser haben möchte ;)
5. Trotz allem: egal, was man sucht, man findet immer eine gute Fanfiction. Egal, wie skurril eure aktuellen OTPs sind. Egal, welcher Fangemeinde ihr angehört. Es gibt zu allem Fanfics und es gibt auch zu allem gute Fanfics.



Ja ja, ich kann eure ratlosen Gesichter schon sehen, wenn ihr zum ersten Mal so eine Fanfiction-Beschreibung durchlest. Das reinste Fanfictionsfachchinesisch. Also gibt's jetzt noch etwas, was ihr dringend braucht: einen Einblick in die Fanfiction-Vokabeln. Weitere Erklärungen für Interessierte und Ratlose findet ihr hier bei Angelfire.

Fluff: alles, was schön, süß oder romantisch ist. Geschichten, die man mit Fluff labelt, haben keine Angst- oder Panikszenen, keine dunklen Hintergründe. Aber oft auch keinen sonderlich ausgearbeiteten Plot. Also eher was für zwischendurch - oder für Tage, an denen die reale Welt schon viel zu hässlich ist.

Oneshot: Eine einzelne, in sich abgeschlossene Geschichte - also Stories mit einem einzigen Kapitel, die auch oft nur eine Szene enthalten. Das Kapitel kann allerdings jede belieblige Länge haben.

Lemons: Damit wird eine Fanfiction mit explizitem erotischem Inhalt bezeichnet. Wer so etwas also nicht lesen möchte: Augen auf beim Rating und bei diesem Filterwort. Die abgeschwächte, etwas weniger grafische Version davon nennt sich Lime.

AU: Eine sehr beliebte Abkürzung, hinter der die Wörter "Alternate Universe" stehen. Dabei wird das ursprüngliche Universum des Originalwerks abgeändert. So gibt's Geschichten mit einem (Achtung, Spoiler) sehr lebendigem Fred oder gar welche, in denen Harry Potter das Böse verkörpert und nicht umgekehrt.

Crossover: Ein Fanfiction-Genre, das manchmal etwas gewöhnungsbedürftig wirken kann. Hier werden Inhalte aus zwei verschiedenen Originalwerken kombiniert. Spock in Hogwarts? Jon Schnee und der Hulk auf gemeinsamen Abenteuern? Gar kein Problem.

OC: Original Character. Damit ist ein non-canon Charakter gemeint, also einer, der im Originalwerk nicht vorkommt und stattdessen vom Autor erfunden wurde.

Slash: Das Wort an sich steht für eine schwule Beziehung - findet man in der Beschreibung etwas wie "no slash", dann kommt auch keine solche in der Fanfic vor. Das Zeichen selbst nutzt man aber für jegliche Art von Kombination, wenn man Liebesbeziehungen darstellen möchte: Hermione/Draco, Harry/Voldemort, Ginny/Parvati Patil. Damit könnt ihr die Stories nach euren liebsten Paaren durchsuchen.

Self-Insert: Diese Art von Story lässt wohl den Traum eines jeden Fans wahr werden. Hier schreibt man sich nämlich einen OC, der den Autor repräsentiert und der somit aktiv in die Geschichte eingreifen kann - damit ist der Hogwartsbrief in greifbarer Nähe.


Zu guter Letzt möchte ich euch noch einige meiner liebsten Fanfictions zu Harry Potter und den Marvel-Filmen vorstellen - alle auf Englisch, aber für euch habe ich die Klappentexte übersetzt.

A Morbid Taste for Ice (Marvel: Darcy Lewis/Loki, rated M)
Darcy Lewis hätte sich nie im Leben vorstellen können, mit dem Donnergott und seinem soziopathischen Bruder in einem Trailer Home in der Wüste von New Mexico zu leben, aber sie macht eben das Beste draus. Bis eine schockgefrostete Leiche auf der Veranda auftaucht. Als Detektivin bricht sie zu einer Reise auf, die alles, was sie kennt und liebt, in Frage stellt.

Nine Lives (Marvel: Tony Stark/Loki, rated M)
Nach einem kleinen magischen Unfall findet sich Loki in der Form einer Katze wieder, und das im Avengers Tower - Tony fängt langsam an zu glauben, dass er eher ein Hundefreund ist.

A Fine Line (Harry Potter: Rose Weasley/Scorpius Malfoy, rated M)
Nur eine dünne Linie trennt Liebe und Hass... Jeder weiß, dass sich Rose Weasley und Scorpius Malfoy hassen. Dass sie sich sehr, sehr hassen.

Tears on the Balcony (Harry Potter: Lily Evans/James Potter, rated M)
Lily und James haben sich gehasst, seit ihre erste Begegnung gründlich schiefging. Es folgt ein überraschender Abschied am Ende des sechsten Jahres und die Ankündigung, dass die beiden als Schulsprecher zusammenarbeiten müssen - werden die Dinge ab sofort anders sein?

Ich könnte jetzt noch ewig weiterschwafeln, aber selbst ein Monsterpost wie dieser muss einmal zu einem Ende kommen. Wie ist das bei euch? Lest ihr Fanfictions oder habt es zumindest schon mal ausprobiert? Gute oder schlechte Erfahrungen? Ich bin gespannt auf eure Geschichten!

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Marianne von Deliriumskind | , | one comment | Share · ·

{A Novel in 40 Days}
A List of Useful Writing Tips

Meine Lieben,

was für ein Spiel! Was - für - ein - wahnsinniges - Spiel! Ja, eigentlich sollte ich euch jetzt von meinem Schreibprojekt erzählen, aber ich habe mich von diesem irren Viertelfinale gegen Italien auch zwei Tage später noch kein bisschen erholt. Meine Stimme genauso wenig wie meine Nerven.

Finalstimmung!

Was für ein Spiel!

Das ist das Gefühl, das wir so lange vermisst haben, fiebrige Nervosität über Halbzeiten lang, neu entdeckte Liebe und kleine Enttäuschungen auf dem geliebten grünen Rasen und immer diese unerklärliche Euphorie.

Fangesänge, verhalten und dann zuerst lauter in diesem Raum, in dem wir die Helden auf dem Screen feiern. Geklopfe auf den Tischen, abgeknabberte Fingernägel und immer wieder ein Schrei - ob entsetzt oder erleichtert, das ist immer die große Frage.

K.O. Phase.

Ein Elfmeterschießen wie verhext, das ist die Krönung der Gefühlswelle - ach was, Welle, das ist ein Tsunami. Zwischen neu erwachter Hoffnung, schierer Euphorie und dann wieder dem Entsetzen über die vergebenen Chancen, über unerklärlicherweise gehaltene Paraden, ja, auch die andere Seite beherrscht das Spiel. Heiser geschriene Kehlen, die Fäuste am Ende der Nacht müde vom Ballen. Zwischendurch fast die Gewissheit, jetzt, jetzt muss es vorbei sein, das war es, und dann schießt die Hoffnung doch wieder scharf ins Eck. Tor, der war drin, weiter geht's. Blutdruck schwankt, aber meistens alles auf 180, höchste Anspannung.

Das ist Fußball, diese Mischung aus Nervenkrise und Zusammengehörigkeit. Was für ein Spiel.

Und heute muss ich mich doch noch ein bisschen ärgern, dass die Herzensmannschaft Island rausgeflogen ist. Aber wie Sigthorsson so schön gesagt hat - vielleicht wäre es ein bisschen zu viel gewesen, die EM gleich im ersten Versuch zu gewinnen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Meisterschaft mit den sympathischen Wikingern.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema: heute soll es um ein paar Dinge gehen, die jeden beim Schreiben unterstützen. Ich weiß nicht, wie es euch da geht, das ist bei jedem Schreiber anders - aber eines haben wir wohl alle gemeinsam: wir brauchen Inspiration und Organisation. Und dabei helfen die folgenden Dinge, die ich euch heute mitgebracht habe.

Writeometer: Android App



Das Writeometer ist seit Tag 1 des 40-Days-Projects mein ständiger Begleiter. Diese App ist ein echter Alleskönner für Schreibprojekte: neues Projekt anlegen, Zahl der Wörter und ein Zieldatum definieren und schon kann's losgehen. Jeden Tag könnt ihr im Writing Log eure erreichte Anzahl an Wörtern eingeben und die Statistiken einsehen. Die App erinnert euch täglich ans Schreiben und bietet dann auch einen Timer, falls ihr eure 1000 Wörter in einer bestimmten Zeit schaffen wollt. Was ich besonders interessant finde: das Belohnungssystem. Für eine bestimmte Anzahl an Wörtern oder eine bestimmte Zeit, die man beim Schreiben verbracht hat (das könnt ihr selbst bestimmen), gibt es sogenannte Guavas, die ihr dann im Anschluss gegen verschiedene selbst definierte Belohnungen eintauschen könnt. Also - 500 Wörter schreiben und dann Facebook checken. 2000 Wörter schreiben und dann eine Folge Game of Thrones schauen - das motiviert tatsächlich.

Pinterest: Writing Board


Wenn ich gar nicht mehr weiß, wie ich weiterschreiben soll. Wenn ich schreiben möchte, aber noch überhaupt keine Ahnung habe, was. Wenn ich zu bestimmten Szenen Inspiration und Tipps brauche. - Das sind so die typischen Fälle, in denen ich erst mal auf Pinterest suche. Mein Writing-Board ist vollgepackt mit Prompts, Tipps für Dialoge und andere Szenen und nützlichen Sheets, mit denen ich meine Geschichten plane. (Wenn man sie denn planen kann.)



Spotify: Inspiration Playlist


Die nächste wichtige, vielleicht wichtigste Inspirationsquelle: Musik. Ohne Musik geht bei mir gar nichts - mit Musik hingegen kann ich überall schreiben, sei es in einem vollen Hörsaal, im Zug oder im Bett. Dabei gibt es vermutlich für jeden andere Kriterien, ich habe aus meinen liebsten Songs zum Schreiben eine Playlist für euch gebastelt. Darunter sind Bands wie Solstafír, Disturbed und Cats on Trees, bunt gemischt für ein bisschen Abwechslung. Auch ein bisschen klassische Musik habe ich dazugemogelt. Und mein neuer Geheimtipp zur Motivation: das Tetris-Theme! Ernsthaft, die Melodie ist derart motivierend, dass man gleich versucht, im Takt zu tippen.



One Page Novel Plot Spreadsheet



Dieses Sheet von e.a. deverell war vor allem in der Vorbereitungsphase mein wichtigstes Tool. Damit habe ich meinen kompletten Plot klar strukturiert und jede einzelne Szene vor dem Schreiben so definiert, dass ich jeden Tag nur kurz nachsehen muss und schon weiß, auf was ich mich heute konzentrieren kann. Gerade bei solchen Projekten, wo man zwischendurch keine Zeit hat, den Plot noch nachzubearbeiten, ist so eine kurz-knackige und klar strukturierte Übersicht gut. 

Die Autorin gibt schon eine grobe Struktur für einen Roman vor und damit auch eine Hilfe, an der man sich entlanghangeln kann: Jeder Roman sollte in verschiedene Zustände aufgeteilt werden können:
  •  Stasis: Eine unbefriedigende Ausgangssituation - zum Beispiel: der Protagonist hat einen deutlichen Charakterfehler. Oder eine ungerechte Welt.
  • Trigger: Ein Auslöser für den Protagonisten, aus dieser Ausgangssituation auszubrechen.
  • Quest: Der Weg des Protagonisten beginnt, er fängt an, seine Aufgabe zu meistern.
  • Bolt: Ein Rückschlag. Zweifel, eine Attacke, egal - irgendetwas passiert, das den Protagonisten aus der Bahn wirft.
  • Shift: Die Läuterung. Der Protagonist beginnt, umzudenken und sich auf das wirkliche Ziel zu konzentrieren.
  • Defeat: Der Bosskampf - und die Guten unterliegen. Alles scheint verloren.
  • Power: Der Protagonist findet etwas in sich selbst, das es doch noch möglich macht, alles zum Guten zu wenden.
  • Resolution: Jetzt ist das Gegenteil der Stasis-Situation erreicht - die finale Auflösung aller Konflikte.
Diese Zustände sind im Spreadsheet einzeln dargestellt und an Beispielszenen veranschaulicht - das liefert noch mal Input für einzelne Szenen. Bei mir ist das jetzt ein einziger Mischmasch aus Deutsch und Englisch, da das Original natürlich in Englisch gehalten ist - das muss man ja nicht so machen. Mit dem eingebauten Word Count lässt sich außerdem im Vorhinein schon abschätzen, wie lang die Geschichte anhand der Anzahl von Szenen werden könnte. Alles in allem: bei Weitem das Hilfreichste, was ich euch zum Plotten empfehlen kann.

Was findet ihr zum Schreiben hilfreich? Wie könnt ihr euch am besten motivieren - egal, o für Texte, Blogposts oder Hausarbeiten? Ich bin gespannt auf eure Tipps!

Ja, still ist es hier geworden in letzter Zeit. Die Prüfungen stehen kurz bevor, und solche Dinge wie das 40 Day Project und die EM nehmen meine ganze spärliche Freizeit in Beschlag. Was auf euch in nächster Zeit noch so wartet: zur Abwechslung mal eine urbane Fotoserie, eins meiner Lieblingsrezepte und bald auch mein Fazit zum Romanprojekt. Stay tuned!


Marianne | | 2 comments | Share · ·

{A Novel in 40 Days}
The Beginning + 5 Reasons to Take On a Writing Project

Meine Lieben,

in nächster Zeit könnte es hier ein bisschen ruhiger werden. Einerseits fangen in wenigen Wochen die Uniklausuren an und dafür sollte ich langsam mal ein wenig lernen. Der andere Grund ist ein bisschen komplizierter, und darüber werdet ihr in Zukunft noch mehr hören. 

Ich schreibe einen Roman. 

In vierzig Tagen. 

Einen schlechten Roman zwar, und einen kurzen, aber einen Roman.
Der Grund dafür? Ein schnell und viel geschriebenes Projekt, das nicht unbedingt gut sein muss, ist der perfekte Konter für eine Schreibblockade. Am Plot muss man nicht wochenlang feilen, den kann man in zwei Stunden hinschreiben und sämtliche logische Fehler ignorieren. Und egal, wie schlecht der Text ist, es sind geschriebene Wörter.
Wie man also auf so was kommt? Habt ihr schon mal vom NaNoWriMo gehört? Das ist der National Novel Writing Month und bei diesem Projekt schreiben jedes Jahr Tausende von Menschen in einem Monat 50.000 Wörter, also 1.667 Wörter am Tag. Das ist eine ganze Menge - besser gesagt, ein ganzer Roman. Nachdem dieses Projekt aber leider erst wieder im November stattfindet, musste ich mein eigenes Projekt starten.



Das ist der NaNoWriMo in Light: Setz dir tausend Wörter als Tagesziel. In einem Roman gilt: eine Szene sollte tausend Wörter haben, du schreibst also genau eine Szene pro Tag. Die Länge deines Projektes richtet sich also nach der Länge deines Romans: zwischen 40.000 und 60.000 Wörter sind für einen normal langen Roman realistisch, aber man muss ja keinen Roman schreiben. Wer nur ein kurzes Projekt möchte, der schreibt eine Kurzgeschichte oder eine Novelle.


Kurzum, ein ganz einfaches Konzept, das sich auf alle möglichen Vorhaben anwenden lässt - Hauptsache, man schreibt. Warum so ein Projekt nicht nur für die Ideen, sondern auch für die Persönlichkeit wirklich sinnvoll ist? Ich habe euch - und auch mir - die Gründe in einer kurzen Liste zusammengefasst.

  1.  Disziplin üben. In den ersten Tagen ist es wahnsinnig schwer, sich die Zeit zu nehmen, alles beiseitezulassen und einfach nur zu schreiben. Das ist genauso wie mit allen anderen Gewohnheiten: man braucht einfach eine gewisse Zeit und Überwindung, um sie einzuführen. Aber Disziplin ist wichtig - und mich darin zu üben, indem ich mir eine Tätigkeit angewöhne, die mir meistens auch Spaß macht, ist für mich ein guter Weg.
  2.  Kreative Blockaden beseitigen. Jeder, der schreibt, malt, fotografiert oder irgendeine andere kreative Tätigkeit ausübt, kennt die Phasen, in denen man ideenlos und mit leerem Kopf da sitzt oder in der alle Ideen anfangs gut aussehen, aber dann doch schiefgehen. Kristen Kieffer schreibt auf ihrem Blog She's Novel: Blockaden sind immer das Ergebnis von Zweifeln an der eigenen Kunst. Bei diesem Projekt geht es nicht um Qualität. Es geht darum, das Ziel zu erfüllen - und dabei bleibt kein Raum für Zweifel. Ein 40-Tage-Roman wird immer mies sein. Aber das ist nicht der Punkt, und das wirkt wie eine Pause vom ständigen kreativen Druck.
  3.  Konzentration und Fokussieren üben. Wer kennt es nicht? Mal schnell Facebook checken, ein paar Nachrichten schreiben, zack, schon ist die Konzentration weg und eine halbe Stunde vergangen. Das geht hier nicht. Ein Roman in so einer kurzen Zeit ist ein riesiges Projekt, das viel Zeit und Mühe braucht. Prokrastination ist hier tödlich - das merkt man schon nach ein, zwei Tagen. Also weg mit dem Handy und auf das Wichtige konzentrieren.
  4.  Mal etwas anderes versuchen. Ich habe noch nie Fantasy geschrieben - meine Geschichte spielt fast komplett in einer Fantasiewelt. Wer vielleicht noch überhaupt nie etwas Längeres geschrieben hat oder noch gar nichts, für den kann das eine komplett neue Erfahrung werden. Dieses Projekt ist wie geschaffen für neue Wege: neue Genres, ein neuer Stil, neue Geschichten und nicht immer die gleichen alten Ideen. Und wer weiß, vielleicht kommt ja dabei ein neuer Lieblingsstil heraus!
  5.  Sich selbst beweisen, dass man die Fähigkeit besitzt. Man kennt das, wenn man schon einmal eine Idee zum Schreiben hatte: überall liegen Fetzen und einzelne Szenen rum, aber bis mal eine vage Idee zur ganzen Geschichte geworden ist, dauert es ewig. Meistens kommt es nicht einmal so weit, und das kann ganz schön frustrierend sein. Bei diesem Projekt dreht sich alles nur darum, dass die Geschichte fertig wird. Kein Bearbeiten, kein Korrigieren, keine Delete-Taste: egal, wie viele Tippfehler oder falsche Formulierungen im Text stehen, es geht darum, die Seite zu füllen.

Zum Ende habe ich für euch meinen Plot in einem Klappentext zusammengefasst - vielleicht bietet er für den ein oder anderen eine gute Anregung. Im nächsten Post erwarten euch Tools und Tipps, die zum Plotten und Schreiben nützlich sind - habt ihr noch Tipps für mich? Würdet ihr so ein Projekt in Angriff nehmen?



Marianne | | 8 comments | Share · ·
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